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Handwerk

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Hände, und immer wieder Hände. Es ist das universellste menschliche Werkzeug, dem der Fotograf Walter Schönenbröcher mit seinem „Handwerk“-Projekt ein Denkmal setzt. In mehr als 400 schwarz-weißen Fotografien spürt der gebürtige Kölner seit 2011 aussterbenden Handwerken nach. Entstanden ist so nicht nur ein einzigartiges Kunstprojekt, sondern auch eine zeitgeschichtliche Dokumentation.

Vergessene Künste

Ein Hauch Wehmut schwingt in den Fotos mit, die wie ein Abgesang auf eine Zeit scheinen, in der viele Gebrauchsgegenstände Unikate waren. Darunter sind Dokumente rar gewordener Künste wie Spinnen, Stuckieren oder Korbflechten. Neben einst alltäglichen Handwerken wie dem Schmieden oder Gerben, finden sich auch Zeugnisse des Kunsthandwerks. So zeigt Schönenbröcher einen Goldschmied bei seiner filigranen Arbeit oder einen Drucker und Schriftkünstler beim Anfertigen eines kalligrafischen Blatts. Seine Motive findet Schönenbröcher vor allem in Brandenburg, daneben reist er auch ins Ausland, um das festzuhalten, was anderswo längst verschwunden ist: seltene Handwerke und vergessene Künste.

Präziser Blick

Mit analytischem Blick schaut Schönenbröcher – der studierte Mathematiker – seinen Modellen auf die Finger und hält im wahrsten Sinne des Wortes Handfertigkeiten fest. Eine anschließende digitale Bildbearbeitung lässt die Aufnahmen bisweilen wie kostbare Druckgrafiken erscheinen, – ohne jedoch nach Effekten zu suchen. Sein Gespür für den richtigen Augenblick, für Ausschnitte und Perspektiven verraten den fotografischen Handwerker. Damit stellt sich der Fotograf seinen Gegenständen kongenial zur Seite, jedoch stets mit dezenter Zurückhaltung.

Konservatorischer Wert

Neben Händen, Werkzeug und Werkmaterial hält die Kamera immer wieder auch Gesichter fest. Aus ihnen spricht Konzentration, eine innige Vertrautheit mit der Arbeit – aber auch Selbstbewusstsein über die Sicherheit der eigenen Handgriffe. Da werden Netze geknüpft, Eisen geschmiedet oder Weidenruten zu Körben geflochten. Aus den Tätigkeiten spricht menschlicher Erfindungsgeist und die Vielfältigkeit handwerklicher Gewerbe. Angesichts der Bilder stellt sich die Frage nach der Beliebigkeit der Massenproduktion. Lässt sich auch das Rad der Zeit nicht zurück drehen: es tut gut, sich auf die nostalgischen Momentaufnahmen einzulassen, um so eine Ahnung zu bekommen vom Wert der individuellen Arbeit. So wollen Walter Schönenbröchers Bilder mehr sein als rein ästhetische Empfindungen. Ihnen kommt – gleich einem Museum – eine konservatorische Aufgabe zu, die auch als Appell an die Kultur des Erinnerns und Bewahrens verstanden werden kann.

Ausstellungen

Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland während der letzten Jahre verweisen auf die Anerkennung, die Schönenbröchers Werk erhält. Auch die „Handwerk“-Serie hat jüngst im Lehrbauhof der Handwerkskammer Cottbus in Großräschen ein stilechtes Ambiente gefunden. Angesiedelt im Spannungsfeld zwischen präziser Dokumentation und hohem ästhetischen Anspruch vermögen die Bilder gleichermaßen zu begeistern: sowohl den zeitgeschichtlich und handwerklich Interessierten als auch den Liebhaber niveauvoller Fotokunst. Weitere Ausstellungen sind geplant und können mit dem Künstler vereinbart werden. Ein PDF-Katalog steht hier zum Download bereit.